Spontanes Fazit zum Emergent Forum 2016

Ich liebe die Kirche. Ich sehne mich nach der Kirche. Ich brauche die Kirche.
Das habe ich lange nicht glauben wollen, denn ich will selber groß sein. Immerhin habe ich Theologie studiert. Ich kann denken, reflektieren, argumentieren, kenne die Bibel, den Jesus, die Liebe und das Ganze recht gut.
Die Kirche ist mir immer suspekt. Sie ist mal zu fromm, dann zu charismatisch, zu missionarisch, zu alt, oder es sind zu wenige. Sie ist zu jung, zu gleich, zu uncool, zu fordernd, zu locker, zu unsozial, die Predigten sind sowieso immer schlecht und die Toiletten zu dreckig.
Ich weiß es besser und ich kann es besser. Denke ich. Und tue alleine dann genau: nichts. Beten, Bibel, Schweigen und so, boah, alles schwierig.
So schleudert mich das wilde Großstadtleben umher, hektisch suche ich Halt, durch spüre nur wieder diese Rastlosigkeit, die Getriebenheit zwischen belegten U-Bahn-Sitzen und ich will ja noch mein Türkisch verbessern, zwischen 40h Stunden-Job, Freundin und ach, den Freund hab ich auch schon so lange nicht mehr gesehen, aber der Sport und… welcome, tot he working week…

Beim Emergent Forum 2016, emfo16, habe ich mich neu in Kirche verliebt. Weil mich all die wunderbaren Leute, die die Menschen, ihren Gott und die Kirche lieben, angesteckt haben. Weil ich dabei gemerkt habe, wie sehr sie mir fehlt.
Als Korrektur, als Zielgeber, Inspirator und Liebesspender.
Wenn Christina Brudereck und Nadia Bolz-Weber, die Rednerinnen dieser wunderbaren Tage, reden, muss man angesteckt werden. Von ihrer Leidenschaftlichkeit. Von ihrer Offenheit.
Das emfo16 war eine Wiederverzauberung meines Glaubens.
Die Auferstehung meiner Sehnsucht nach Kirche.
Einer Kirche in der gezweifelt, geholfen, herausgefordert und bekannt,
in den Arm genommen und viel gelacht werden kann.
Das emfo16 erinnert mich, dass Gott kein Christ ist. Und kein Mann.
Es erinnert mich, dass ich mit Menschen aller Religionen reden und diskutieren kann, dass wir gemeinsam Beten können und voneinander lernen können. Und ich gleichzeitig voll Liebe und Begeisterung von der verrückten Story des Gottes der Bibel und dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus schwärmen darf und muss
(Boah fällt mir das schwer das so hinzuschreiben. Glaub ich das überhaupt? Ist das wahr? Was weiß ich. Aber ich will, will vertrauen, oder wie auch immer man das nennt. Und ich will Jesus und Auferstehung sagen können, ohne gleich zusammenzuzucken, weil das ja jemand lächerlich finden könnte, wenn er oder sie das hier liest oder unglaubwürdig und ich selbst nicht weiß, wie ich das glaube oder mir vorstellen soll und so weiter blablabla Knoten im Kopf, ganz einfach weil es die wunderschönste Geschichte ist, die ich kenne)
Emfo16 hat mich daran erinnert, dass ich genau in den Menschen, die ich am wenigsten leiden kann, Gott suchen darf/soll/muss.
Dass diese Unheiligen mir am meisten über meine eigene Unheiligkeit verraten.
Dass genau diese Menschen meiner Liebe bedürfen.
Dass sie eine Herausforderung sind, eine die nervt, die weh tut, weil sie mich entlarvt, meine eigene Arroganz, meine Blindheit, mein Trägheit, meine Wut.
Und ich habe gelernt, dass die einzige, echte Währung in dieser Welt die Momente sind, in denen wir zu jemandem anderen vollkommen ehrlich sind, obwohl wir uns so schwach und uncool fühlen wie nie zuvor. Und wir dennoch geliebt werden. So wie wir sind, nicht wie wir sein wollen.
So wie in den letzten Tagen erlebt kann Kirche sein, so soll Kirche sein, so wünsche ich sie mir.
Ich will mehr davon. Denn ich brauche es.
Ich will alles daran setzen, diese Kirche nun im wilden Großstadtleben zu bauen, zu finden, zu leben.
Eine Kirche die UND größer schreibt als aber,
die die LIEBE ins Zentrum rückt, nicht die Wahrheit
und die nur gemeinsam funktioniert,
nie allein.

 

Kritik und Ernüchterung spare ich mir für die nächsten Tage auf.
Jetzt wird sich gefreut.
Danke emfo16

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6 Gedanken zu “Spontanes Fazit zum Emergent Forum 2016

  1. Ich geh mit Dir. Ich kenne das. Die Achterbahn im Leben. Das Faszinierende daran: Gott holt uns immer wieder herein. Und geht Schritt für Schritt. Das ist das Unglabuliche das wir zu glauben erleben und erfahren können.

    Ich find es krass, wie Du mich in Deinem Text beschreibst. Daher: Ich geh mit Dir….

    • Nichts-sagend, Leer-sagend, Fehl-sagend, Wüstenhaft, nach-jedem-Wind-sagend.
      Schade! Soviele Worte ohne eine Liebeserklärung an Jesus Christus. 😦
      Alles nur die eigene Befindlichkeit betreffend!
      menea

  2. Pingback: „Ehrlich, streitbar, berührend, irritierend und immer anbetend – meine Gedanken zum Emergent Forum 2016“ | Tobias Faix

  3. Manche meinen, man kann einfach nachplappern, was andere einem vorsprechen, und Christentum so weiter machen, wie es Jahrhunderte funktioniert hat (oder auch nicht funktioniert hat). Wenn wir nicht zurückkehren zu dem, worum es dem Mann aus Nazareth eigentlich ging, brauchen wir uns kaum zu wundern, wenn Menschen mit dem christlichen Glauben nicht viel anfangen können.

    Ich lese in deinem Post von einer Sehnsucht und einem Aufbruch, den ich auch in mir spüre. Gottes Geist weht ja zum Glück, wo ER will …

  4. Pingback: Spontanes Fazit zum Emergent Forum 2016 - Christliche Blogger Community

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